Le Kimono différant.

 

Fotos von Kimonos sind langweilig. Zumindest jene, die asiatische Ästheten – besser gesagt solche, die meinen, sie seien unheimlich ästhetisch und Kunst- und Kulturkenner, aber weder von dem einen noch von dem anderen ein profundes Wissen besitzen – zu knipsen pflegen. In altbekannter Manier stellt sich eine kleine dürre Frau mit einem Papierschirm zur Frühlingszeit vor das Meer aus Sakurablüten, posiert kawaii-dümmlich wie ein kleines Milchmädchen und hält sich vor ein paar traditionell japanischen Mauern in traditionell japanischen Straßen für eine traditionell japanische Prinzessin aus längst vergangenen Tagen. Am Ende stehen Fotografien, die die Welt schon im Überfluss gesehen hat und der wahre Kenner längst nicht mehr ertragen kann, so einfallslos und monoton sind sie. Über ein schwaches »Nett!« oder ein semi-geheucheltes »Schön!« kommen sie nicht hinaus, bestenfalls werden sie von der senilen Großmutter zu Hause als exotisch empfunden, die ihre Enkelin ohnehin immer zu hoch und zu hübsch schätzt.

 

Meine Kimonofotos sollten anders werden. Ich wollte kein Make-Up, keine Haare gemacht bekommen. Ich frisierte und schminkte mich selbst, so wie ich mir gefiel – und nicht, wie ich stereotyp niedlich auszusehen hatte. Ich behielt meinen Schmuck an und lackierte mir die Fingernägel. Mein Freund und ich liehen uns japanische Kimonos aus, keine im Okinawa-Style, obwohl wir uns auf der Insel befanden. Wir liehen uns auch gar keine Kimonos aus, sondern Yukatas, leichte Baumwollmäntel, die angenehm luftig sind und, im Gegensatz zu Seidenkleidern, auch finanziell erschwinglich. Wir zogen durch die Gegend und hielten an, wo es uns in den Sinn kam. Unser Posing sollte keine Replikation bereits millionenfach vorhandener Instagramfotos sein, es sollte modern wirken, konträr zur historischen Implikation des Kimonos als Zeichen sozial hohen Prestiges und der zerbrechlichen Eleganz, oppositionell zur Manifestation des Kleidungsstücks als hochkulturelles Gut. Wir sind keine Japaner, Kimonos werden uns niemals das bedeuten, was sie den Japanern bedeuten. Ich wollte sie popkulturell darstellen, ordinär, voller Alltagstragik und -komik, vor dreckigen, heruntergekommenen Häusern, in lasziven Posen, mit sichtbaren Tattoos, ohne Gesicht und wenn, dann ausschließlich hart und rotzig. Damit sicherte ich ihre Mystik und subtile Erotik. So entstand ein Bildband, den ich keinesfalls anders ausgeführt hätte haben wollen und auch noch in 40 Jahren stolz durchblättern kann.

 

4 thoughts on “Le Kimono différant.

  1. Coole & vor allem zeitgemäße Kimono beziehungsweise Yukata Bilder! 🙂
    Mir gefällt vor allem das schwarz/weiße Bild auf den Stufen besonders gut.

    Liebe Grüße
    Vanessa

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